Von den Leviten bis zur Hausmeisterin

 

Zur Zeit des Alten Testaments war im Volk Israel ein ganzer Stamm damit beauftragt, die Gottesdienste in Stiftshütte und Tempel zu begleiten und alle erforderlichen Dienste neben den Priestern abzuwickeln: die Leviten. (vgl. 4.Mose 3,5-10; 1.Chronik 9,23-33; 1.Chronik 23,24-29; siehe auch Lukas 10,32)

Als Jesus Christus in diese Welt kam, erlosch der Levitendienst. Es bildeten sich bei den ersten Christen andere Versammlungsstätten, zunächst nicht in Tempeln und Synagogen sondern im Untergrund. (Höhlen und Wohnzimmern)

In den jüdischen Synagogen-Gemeinden gibt es das wichtige Amt des Schamasch, des Synagogendieners. Zu seinen Aufgabenbereichen gehört die Zuarbeit für den Geistlichen im Gottesdienst, die Verantwortung für die Gebetbücher, die Planung der Sitzordnung für die Feiertage und die Verwaltung alles Materiellen in der Synagoge.

Versammelte sich die urchristliche Gemeinde zum Anfang in den Häusern, so kam es im Laufe der Zeit zum Bau spezieller gottesdienstlicher Versammlungsräume, den Kirchengebäuden.

Unter den Ämtern in der christlichen Urgemeinde gab es das Amt der Diakonin und des Diakons. Das Amt umfasste neben den heute bekannten "diakonischen" und gottesdienstliche Aufgaben auch bereits die Funktion des "Custos" (lateinisch: Wächter, Küster). Somit kam dem Custos damit neben seinen Funktionen im gottesdienstlichen und geistlichen Bereich noch die Sorge um das Kirchengebäude hinzu. Das Amt umfasste neben den „diakonischen“ Aufgaben, - der Versorgung der Armen, - der Witwen und Waisen auch „gottesdienstliche“ Aufgaben wie das Öffnen und Schließen der Kirche und die Vorbereitung des Gottesdienstes.

Die Reformationszeit gab diesem Amt eine vielgestaltige Ausprägung. Wie die Gottesdienstformen sich je nach geographischer und politischer Lage unterschieden, fand das Amt verschiedene Bezeichnungen und Aufgabenstellungen, die zum Teil heute noch erhalten sind: Glöckner, Opfermann, Mesner, Kirchendiener, Kirchenvogt, Kirchwart, Kirchvater, Kirchendiakon, Sakristan und andere.

( Werfen Sie einen Blick auf die Seiten der anderen "Mesner"-Verbände in Deutschland)

Die nicht nur in Württemberg gebräuchliche Bezeichnung "Mesner" ist aus dem lateinischen "mansionarius"- der die Wohnung Gottes (mansio) Betreuende - abgeleitet. Sie stammt nicht von der Messe, wie die Schreibweise nach der Rechtschreibreform nahe legt. 

Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Schule und Kirche getrennt. Aus den Schulmeistern wurden Staatsbeamte, die für den Schuldienst ausgebildet wurden. Im 20. Jahrhundert schließlich wurde der Kirchenmusiker als eigenständiger Beruf anerkannt.
Früher durften den Beruf nur Männer ausüben. Heute steht er auch Frauen offen, die heute überwiegend diesen Beruf ausüben,
Vor allem nach dem 2. Weltkrieg entwickelte sich durch den Zuwachs von Kirchen und Gemeindezentren die Tätigkeit der Mesnerin/des Mesners zu einem eigenen Amt. Es wird heute haupt-, neben- und teilweise auch ehrenamtlich ausgeübt.

In früheren Jahren wurde der Mesner nicht nach einem Vergütungsgruppenplan vergütet.
Beispiele:
1529    Der Mesner bekommt als Besoldung
⦁    mietfreie Wohnung
⦁    Naturalien
⦁    Ostereier
⦁    Mesnerlaibe
⦁    Neujahrsgeschenke.
1557    Nun bekommt der Mesner ein sogenanntes
⦁    Drang- und Trinkgeld;
⦁    das Vieh des Mesners soll mitgehütet werden;
⦁    er ist von der Steuerabgabe befreit.
Um 1700    Nun soll der Mesner
⦁    lesen und schreiben können;
⦁    er soll die Psalmen singen und die Gemeindelieder anstimmen;
⦁    bei einem Begräbnis bekommt er:
      -für einen Erwachsenen 2 Brote,
      - für ein Kind 1 Brot.
Um 1800    Der Mesner ist auch Schulmeister und Gerichtsschreiber.
Häufige Kombination sind Mesner und
⦁    Organist
⦁    Lehrer
⦁    Hausmeister
⦁    Schreiber und Sekretär.


In den letzten zwei Jahrhunderten brach das Mesner- und Schulmeisteramt auseinander. Die Lehrer wollten den Mesnerdienst nicht mehr selbst ausüben, sondern sich von Helfern vertreten lassen.
1894    Erlass des preußischen Kultusministers:
    Unterscheidung zwischen höherem und niedrigem Küsterdienst.
⦁    Der höhere Küsterdienst umfasste Kantorat, Organistendienst, Kirchschreiberei, Altardienst und Aufsicht über die äußere Ordnung im Gottesdienst.
⦁    Der niedrige Küsterdienst umfasste Reinigung, Turmwartung, Kerzen, usw.

1950    Der Mesnerbund wird auf der Burg Hohenzollern gegründet    
1953    tritt eine neue Regelung in Kraft:
    „Anstellung und Besoldung von Mesnern in der Evang. Landeskirche Württemberg“
    veröffentlicht im Amtsblatt 35.20 und im Mesnerblatt 1953 Nr. 2.
    Es war keine verbindliche Regelung, sondern es gab nur „Vorschläge“.
Am 15.2.1955     tritt ein Gesetz in Kraft und der OKR kann nun verbindliche Vorschriften für die kirchlichen Mitarbeiter erarbeiten.
Ab 1.1.1958    tritt eine Neuordnung in Kraft (beschlossen am 7.12.1957) und es entstehen die ersten verbindlichen Vergütungsvorschriften.

Heute

 Mit der heutigen Spezialisierung im Berufsleben hat sich das Aufgabenfeld des Mesnerdienstes nun dort angesiedelt, wo es um Pflege und Erhaltung der kirchlichen Gebäude geht.

  • add Was heute so alles zu den Aufgaben gehört

    • Mesner*innen sorgen für eine saubere Kirche
    • Termine - wir haben alles und alle im Blick
    • Heizung - wir heizen Ihnen ein
    • Blumenschmuck stecken und pflegen - unsere Aufgabe
    • Liederanzeige - immer aktuell
    • Liturgisches Gerät - wir lassen es glänzen
    • Abendmahl, Taufe, Trauung - nicht ohne uns
    • wir sind gerne am Sonntag für Sie in der Kirche
    • Glockenläuten - pünktlich durch uns
    • Erste Hilfe - wir sind zur Stelle
    • Hecke schneiden, Rasen mähen, Laub rechen, Schnee kehren - wir machen das
    • Weihnachtsbaum - wir lassen ihn erstrahlen
    • Konzerte - Ihr Platz ist uns wichtig
    • Technik - wir schauen das alles funktioniert
    • Gebäude - wir melden Schäden rechtzeitig
    • Der Weg in die Kirche - wir machen ihn sicher   
    • Wir wollen das Sie sich sicher und wohl fühlen!

     

     

     

Beim Hausmeisterdienst ist seine Zweckbindung schon von vornherein klar. Doch das ändert am biblisch-geistlichen Hintergrund dieses Dienstes, zu dem Männer und Frauen in gleichem Maße berufen sind, nichts. In Württemberg setzte Landesbischof Wurm 1946 mit seinen "6 Regeln für das Mesneramt" ein Zeichen für die Bedeutung dieses Dienstes. Dienstregeln und -anweisungen wurden erarbeitet, soziale Leistungen und Vergütungsgarantien bieten finanzielle Sicherheit - und als ein Ziel wird die Anerkennung des Mesneramtes als Ausbildungsberuf angestrebt